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Hausstaubmilbenallergie
Expertenbeitrag:
Prim. Dr. Gert Wurzinger
Vorstand der Abteilung für Lungenkrankheiten LKH Hörgas/Enzenbach
und der Pulmologischen Tagesklinik des LKH Graz West
Allgemeines
Ein verhältnismäßig großer Teil unserer Bevölkerung leidet unter Rhinitis, Brennen oder Juckreiz der Augen, Husten, Atemnot oder Asthmaanfällen mehr oder minder das ganze Jahr über, vom Säugling bis zum älteren Menschen im Pensionsalter. In der Bundesrepublik Deutschland vermuten Experten rund fünf Millionen Menschen, welche an derartigen Beschwerden leiden - verursacht durch ein winziges Tier, welches fast weltweit anzutreffen ist. Es ist die Hausstaubmilbe (lat. Dermatophagoides pteronyssinus), ein zu den Spinnentieren (Arachnida) zählendes Insekt mit einer Größe von 0,1 bis 0,5 mm, also gerade unterhalb unseres sichtbaren Kosmos.

- Hausstaubmilben
Bisher wurden über 140 verschiedene Milbenarten im Hausstaub nachgewiesen, doch nehmen die Hausstaubmilbe und ihre „Zwillingsschwester“, die amerikanische Staubmilbe genannt (Dermatophagoides farinae), rund 90% der Häufigkeit für sich in Anspruch. Letztere ist besser unter den unglücklich gewählten und stets Verwirrung stiftenden Namen „Mehlmilbe“ oder „Mehlstaubmilbe“ bekannt.
Pro Gramm Staub können bis zu 15.000 Hausstaubmilben isoliert werden. Seltener, doch allergologisch ebenso von Bedeutung, ist die Staubmilbe (Dermatophagoides microceras), die denselben Lebensraum mit den Hausstaubmilben teilt und deren Hauptallergen auch eine enge Kreuzreaktion mit der weit größeren Gruppe der Hausstaubmilben aufweist.
1787 wurde erstmals die "Engbrüstigkeit", verursacht durch Hausstaub beschrieben, wobei man als Ursache dieser damals schon häufigen Krankheit ein Geruchsgift vermutete. Um die Jahrhundertwende stießen Forscher in den "Intimbereich" der Hausstaubmilben vor und entdeckten ihre Lebensgewohnheiten, Fortpflanzungs- und Entwicklungszyklen.
Allein der Name weist schon auf den Lebensbereich hin, doch sind sie bei weitem nicht der einzige Bestandteil des Hausstaubes. Er ist so unterschiedlich wie die Innenausstattung unserer Wohnräume: Textilfasern, Sand-, Erde- und Federnteilchen, Haare und Schuppen von Menschen und Tieren, Pflanzen- und Kunststofffasern, Unmengen von Bakterien und Schimmelpilzen und Bestandteile abgestorbener Insekten - zusammengehalten durch winzige Wollfäden und Reste von klebrigen Spinnennetzen - eine exotische Welt für sich. Und ein Teil dieses Mikrokosmos bildet die Nahrung der Hausstaubmilbe. Vor allem sind es der Abrieb von Daunenfedern, Wollfasern und anderes organisches Material wie Lebensmittelreste, Schimmelpilzsporen und Pollen.
Ihr größtes Festessen jedoch sind die von Menschen abgeschilferten Hautschuppen. Und davon stößt ein Erwachsener etwa 1,5 Gramm täglich ab, genug Tagesnahrung für etwa 1 ½ Millionen Milben. Dabei sind sie auch ziemlich gefräßig - bis zur Hälfte des Körpergewichtes kann ein Hausstaubmilbenweibchen an Nahrung pro Tag zu sich nehmen.
Daher produzieren Hausstaubmilben im Laufe ihres drei bis vier Monate langen Lebens auch das Drei- bis Vierhundertfache ihres Körpergewichtes an Exkrementen. Zu Anfang noch von einer Schleimschicht fest zusammengehalten und meist an Textilfasern haftend, zerfallen die Kotbällchen in der trockenen Luft im Laufe der Zeit in kleinste Teilchen von einigen Mikrometern (µm) Durchmesser, die mit dem Hausstaub im Raum aufgewirbelt und über Stunden schwebend mit der Atemluft inhaliert werden.
In den Kotpartikeln dominieren die Allergene „Der p1“ und „Der f1“ (Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae), Proteine aus abgeschilferten Darmepithelien der Milben.


