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Kindliches Asthma Bronchiale

Abbildung Herr Prof. Ernst Eber

Expertenbeitrag:

Univ.-Prof. Dr. Ernst Eber
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz

Einleitung

Asthma bronchiale gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. In den letzten Jahrzehnten kam es weltweit zu einem deutlichen Anstieg der Asthma-Prävalenz (die Prävalenz ist die Anzahl der erkrankten Individuen in einer Population) bzw. zu einer Zunahme allergischer Erkrankungen. Im deutschsprachigen Raum beträgt die Prävalenz des Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter etwa 10%; in vielen Industrienationen ist sie sogar höher. Epidemiologische Daten aus Österreich zeigen eine Prävalenz von Asthmasymptomen von 10-12%, jedoch eine deutliche Tendenz zur Unterdiagnostik und damit auch zur Unterbehandlung des Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter. Um diese Situation nachhaltig zu verbessern, wurden in Zusammenarbeit zwischen der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde und der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie wiederholt aktualisierte Richtlinien zur Diagnostik und medikamentösen Behandlung des Asthma im Kindes- und Jugendalter erstellt; die letzten Empfehlungen zum Thema rezidivierende obstruktive Bronchitis und Asthma bronchiale im Vorschulalter stammen aus dem Jahr 2006, die aktuelle Leitlinie zur Behandlung des Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen wurde 2008 publiziert.

Definition

Asthma bronchiale ist gekennzeichnet durch eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit rezidivierenden (wiederkehrenden), spontan oder nach Therapie, vollständig oder teilweise reversiblen (umkehrbaren) Atemwegsverengungen. Bei den meisten Patienten bestehen eine sogenannte bronchiale Hyperreagibilität (eine gesteigerte Reaktionsbereitschaft der Bronchialschleimhaut auf verschiedene Stimuli, wie z.B. Viren, Allergene, Staub, Ozon, Schwefel- und Stickstoffdioxid, sowie körperliche Belastung und Kälteexposition) und eine sogenannte atopische Diathese (Neigung zu Atopie bzw. zu Überempfindlichkeitsreaktionen bei Kontakt mit an sich harmlosen Substanzen aus der Umwelt).

Der akuten asthmatischen Reaktion liegt eine Verengung der intrathorakalen (im Brustkorb befindlichen) Atemwege (also der Bronchien und Bronchiolen) zu Grunde. Diese ist bedingt durch eine Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur, Schleimhautschwellung und Absonderung eines zähen Bronchialsekrets mit Sekretstau.

Ursachen

Es ist seit langer Zeit bekannt, dass Asthma bronchiale familiär gehäuft auftritt; man geht heute von einer durch das Zusammenwirken vieler Gene hervorgerufenen Veranlagung aus. Darüber hinaus sind bei entsprechender genetischer Disposition jedoch auch sogenannte exogene Manifestationsfaktoren von Bedeutung. Dazu zählen unter anderem Umwelteinflüsse und Effekte von Infektionen auf das körpereigene Immunsystem. Insbesondere der in den westlichen Ländern typische Lebensstil (sehr gute hygienische Verhältnisse, Leben in der Stadt, Kleinfamilien, geänderte Ernährungsgewohnheiten, zunehmend mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft) scheint hier von großer Bedeutung zu sein. Im Säuglings- und Kindesalter ist häufiger das männliche Geschlecht betroffen; als Ursache dafür werden die bei Knaben im Vergleich zu Mädchen kleineren Luftwege angesehen.

Während eine bereits vorgeburtliche Tabakrauchexposition durch Rauchen der Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel in einem gehäuften Auftreten von Asthma bronchiale resultiert, führt Tabakrauchexposition nach der Geburt bei bereits bestehendem Asthma zu einer Verschlechterung und damit zunehmendem Medikamentenbedarf. Auch durch andere Luftschadstoffe, wie Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid, Ozon und Staub kann ein bereits bestehendes Asthma verschlechtert werden.