Asthma

Asthma, Monatszyklus und Hormone

Erwachsene Frauen leiden deutlich häufiger an Asthma als Männer. Das hat vor allem mit dem Wirken der Sexualhormone, aber auch mit der Einnahme von Hormonpräparaten zu tun. Lesen Sie hier, warum der weibliche Zyklus Asthma beeinflussen kann.

Frauen und Männer sind verschieden –auch in Bezug auf eine Erkrankung wie Asthma. Bis etwa zum 10. Lebensjahr leiden Burschen nämlich häufiger und mehr unter Allergien und Asthma. Aber: Mit Beginn der Pubertät und den hormonellen Veränderungen, die damit einhergehen, kehrt sich dieses Verhältnis um. Denn die vermehrte Ausschüttung des Sexualhormons Östrogen nach der ersten Regelblutung der Mädchen sorgt dafür, dass sie dann ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Asthma haben.

Tatsächlich leiden 20 bis 40 Prozent der erwachsenen Frauen vor der Menopause an Asthma und erleben in der Woche vor der Menstruation eine Verschlechterung der diesbezüglichen Symptome, weil sich die Bronchien in dieser Zeit vermehrt entzünden. Die Ursache dafür erklärt die Forscherin Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien so: „Östrogene, also weibliche Sexualhormone sorgen dafür, dass Entzündungszellen wie zum Beispiel die Mastzellen empfindlicher auf Allergene wirken. Das männliche Hormon Testosteron dagegen scheint eine Art Schutzfunktion auszuüben.“

Studie belegt: Sexualhormone beeinflussen Asthma

Dieses Phänomen wurde in jüngster Zeit in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen belegt. Auch eine große US-amerikanische Studie von Dawn Newcomb aus dem Jahr 2017 bestätigt das und wartet zudem mit weiteren Erkenntnissen bezüglich des männlichen Hormons Testosteron auf: Testosteron wirkt nämlich dämpfend auf die Lungenzellen. Dadurch werden allergische Reaktionen und damit auch Asthma reduziert. Newcomb und ihr Team konzentrierten sich bei ihren Untersuchungen auf die so genannten ILC2-Zellen, die durch ein spezielles Eiweiß Entzündungen und die Schleimproduktion in der Lunge ankurbeln können. Diese Zellen kommen bei Menschen mit Asthma häufiger vor als bei gesunden Menschen –und bei asthmatischen Frauen deutlich häufiger als bei Männern. Die Forscher untersuchten die ILC2-Zellen und beobachteten, wie sie sich in Kontakt mit Hormonen verhalten. Dabei fanden sie heraus, dass sie auf weibliche Hormone wie Östrogen und Progesteron kaum reagierten. Wurde aber das männliche Hormon Testosteron hinzugefügt, produzierten die Zellen plötzlich weniger Eiweiß, und die Entzündungsreaktion verringerte sich. „Wir kennen nun den molekularen Mechanismus, der hinter den zahlreichen Beobachtungen zu weiblichem Asthma steht“, sagt Erika Jensen-Jarolim von der Medizin-Universität Wien dazu.

Anti-Baby-Pille kann Asthma verstärken

Die Beobachtungen der Wissenschaftler könnten auch erklären, warum „die Pille“ Asthma verstärken kann. Denn viele Hormonpräparate verringern das Testosteron, (das auch bei Frauen vorkommt, allerdings in einer wesentlich geringeren Konzentration als beim Mann) und schrauben damit auch die dämpfende Wirkung des männlichen Hormons zurück. „Daran sollte eine Frau denken, falls das Asthma nach Verschreibung der Pille schlechter wird“, so Erika Jensen-Jarolim. „Dann muss der Arzt ein anderes Präparat auswählen.“

Perimenstruelles Asthma: Hormone als Therapie?

Wenn Sie sich nun fragen, ob man unter diesen Gegebenheiten nicht auch Testosteron zur Behandlung von Asthma einsetzen könnte, so liegen Sie damit nicht ganz falsch. Um das genau zu verstehen, muss man zunächst wissen, dass die Wissenschaft Prämenstruelles Asthma und Perimenstruelles Asthma, also Asthma, das vor bzw. um die Regelblutung herum auftreten kann, unterscheidet. Die deutsche Forscherin Iris Koper veröffentlichte 2021 eine Facharbeit im Deutschen Ärzteblatt, in der sie von klinischen Beobachtungen und Therapieversuchen in Bezug auf eine Hormontherapie bei schwerem Perimenstruellem Asthma berichtet. Darin hält sie fest, dass es positive Wirkungen einer Hormontherapie auf die Symptomatik bei schwerem Perimenstruellem Asthma gibt, und dass bei milderem beziehungsweise stabilem Asthma sowohl positive als auch negative Effekte beobachtet wurden. „Es konnte eine Abnahme der bronchialen Hyperreaktivität bei Asthmatikerinnen, die orale Kontrazeptiva einnahmen, beobachtet werden. Die Effekte von Östrogen und Progesteron auf Asthma lassen sich aber ganz offensichtlich nicht durch eine einfache Dosis-Wirkungs-Beziehung beschreiben.“

Fazit für die Praxis

Was bedeutet das alles nun für die Praxis und für Sie als Asthma-Patientin? Vielleicht haben Sie auch schon beobachtet, dass sich Ihre Asthma-Symptome in der Zeit um die Regelblutung verschlechtern. Und vielleicht nehmen Sie auch die Pille, um Ihre Lebens-und Familienplanung gut im Griff zu haben, denn schließlich tun das sehr viele Frauen.

Von Lungenfachärzten wird daher dazu geraten, ein Asthma-Tagebuch zu führen und darin das Ausmaß der Beschwerden täglich zu notieren. „Ein Asthmatagebuch erleichtert dem behandelnden Arzt die Entscheidung darüber, ob es notwendig ist, den hormonell bedingten Veränderungen im Beschwerdebild entgegenzuwirken und die medikamentöse Therapie entsprechend anzupassen“, erklärt etwa Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Lungenstiftung. „Wenn sich die Beschwerden regelmäßig vor dem Einsetzen der Monatsblutung stark verschlechtern, lässt sich beispielsweise in den betreffenden Tagen die einzunehmende Menge der gewohnten Dauermedikamente erhöhen. Dann ist es außerdem insbesondere in der Zeit vor der Periode ratsam, mit erhöhter Aufmerksamkeit mögliche Asthmatrigger zu meiden und ein Notfallmedikament (Asthmaspray) stets griffbereit zu haben.“

Auch die Forscherinnen, die Studien zum Thema „Asthma und Hormone“ durchgeführt haben, raten dazu, hormonelle Faktoren zu beachten. „In welcher Phase des Zyklus befinde ich mich? Nehme ich Hormonpräparate? Habe ich bereits Asthma?“, diese Fragen sollten zwischen Patientin und Arzt in Betracht gezogen und besprochen werden“, sagt Erika Jensen-Jarolim von der MedUni Wien. Dies gelte vor allem auch dann, wenn die Frau schwanger ist, denn dann ändert sich der Hormonhaushalt wiederum. Asthma kann sich bei einem Drittel der Schwangeren verschlechtern –und ein asthmatischer Anfall in der Schwangerschaft ist ein hohes Risiko für Mutter und Kind. Daher ist die frühzeitige Abklärung einer Allergie wie etwa Heuschnupfen, am besten vor der Schwangerschaft, ratsam –denn eine unbehandelte Allergie ist der erste Schritt zum Asthma. (siehe dazu auch Asthma und Schwangerschaft)

Sexualhormone sind also ein gewichtiger Faktor, was Asthma betrifft. Auch die US-amerikanische Studienautorin Dawn Newcomb schreibt:„Sexualhormone sind nicht der einzige Mechanismus, wenn es um Allergien und Asthma geht. Aber dennoch muss er als einer von mehreren beachtet werden.“ Sprechen Sie also mit Ihren Fachärzten, wenn Sie bemerken, dass Ihre Asthma-Symptome sich im Laufe Ihres Zyklus verändern, oder wenn Sie mit der Pille verhüten. Und eines noch: Die Genderforschung steht zwar noch am Beginn, aber vermutlich ist auch in Bezug auf Allergien und Asthma in Zukunft mit neuen, interessanten Erkenntnissen zu rechnen.

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