Asthma

Vitamin D "Sonnenvitamin" als Asthma-Medikament

Dass die Sonne dem Menschen gut tut, dass wir sie brauchen und dass sie vielfältige gesundheitliche Nutzwirkungen hat, weiß man seit langem. Vernünftig genützt ist Sonne ein Turbo für das Immunsystem, sie hebt die Laune und wirkt nachweislich gegen bestimmte depressive Erkrankungen, sie stärkt die Knochen, schützt in gewissem Maß vor Diabetes, beschert uns positive Gefühle. Aber wussten Sie, dass Sonne sich in gewisser Weise auch günstig auf eine Erkrankung wie Asthma bronchiale auswirkt?

Was Sonne und Vitamin D können

Der Reihe nach: Sicher ist Ihnen bekannt, dass die Sonne viele ihrer positiven Wirkungen im Zusammenhang mit Vitamin D entfaltet. Genauer gesagt kann Vitamin D unter Einwirkung von Sonnenlicht vom menschlichen Körper selbst hergestellt werden. Wenn es zu Sonnenlichteinfall kommt, wird das in der Haut aufgebaute Cholesterol in das Provitamin D umgewandelt. Dieses „Lichthormon“ gelangt in der Folge über das Blut in die Leber, wo es als Vitamin D3 gespeichert wird. In einem weiteren Schritt kann es in der Niere und anderen Organen zu aktivem Vitamin D3 umgewandelt werden. Ohne Sonnenlicht also kein Vitamin D, und ohne Vitamin D keine Knochenbildung, keine gesunde Schwangerschaft, kein gut funktionierendes Immunsystem, kein Schutz vor bestimmten Krankheiten!

Der Einfluss von Vitamin D auf Asthma bronchiale

Tatsächlich hat die Wissenschaft herausgefunden, dass Vitamin D wie ein Medikament wirkt: Einerseits hat es zum Beispiel in gewissem Maß eine schützende Wirkung gegen Brust- und Darmkrebs, und andererseits kann ein Vitamin-D-Mangel gravierende Folgen haben kann: Abwehrschwächen und Autoimmunkrankheiten treten vermehrt auf, und auch andere Krankheiten werden durch den Mangel an Vitamin D begünstigt.

Zu diesen anderen Erkrankungen, die durch das Vorhandensein oder Fehlen von Vitamin D beeinflusst werden, zählt auch Asthma bronchiale. Das beweisen große Studien, die aus jüngerer Zeit stammen und die einhellig zu positiven Befunden zum Thema Vitamin D und Asthma kommen. Konkret sind etwa Forscher aus Großbritannien in einer Untersuchung mit fast 7000 Teilnehmern der Frage nachgegangen, ob und in welchem Ausmaß sich die Vitamin D-Versorgung auf Infektionen der Atemwege und der Lunge auswirkt. Das Resultat ihrer Forschungen war eindeutig: Je höher der Vitamin D-Wert im Blut der Untersuchungsteilnehmer war, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit einer Atemwegsinfektion, und: Jeder Anstieg von nur 10 nmol/l senkte das Krankheitsrisiko pro Patient jeweils um sieben Prozent. Die Forschergruppe rund um Prof. Atul Gupta zeigte auch auf, dass ein Mangel am "Sonnenvitamin" die Lungenfunktion von Kindern und Jugendlichen einschränkt und die Symptome der Asthmaerkrankung deutlich verschlechtert. Das gilt vor allem für die schwere Form von Asthma, die mit Kortison behandelt werden muss oder für die es sogar gar keine wirksame Behandlung gibt. „Unsere Studie zeigt eindeutig, dass niedrige Vitamin D-Werte zu schlechteren Lungenfunktionen, zunehmendem Medikamenteneinsatz, heftigeren Asthma-Symptomen und einer Zunahme der glatten Atemwegsmuskulatur bei Kindern mit schwerem Asthma führt,” sagt der Studienleiter Prof. Gupta.

Er und sein Team sind freilich nicht die einzigen, die zu den Effekten von Vitamin D auf Asthma geforscht haben. Auch aus dem Iran gibt es ähnliche Ergebnisse, und in den USA wurde im Jahr 2009 die bis dato größte Studie dieser Art mit über 18.000 Patienten durchgeführt: Darin zeigte sich, dass Asthmatiker ein 5,67-fach höheres Risiko haben, eine Erkältung oder Grippe zu entwickeln, wenn ein Vitamin D-Mangel vorhanden ist. Was das konkret bedeutet? Nun, offensichtlich hat das besondere Vitamin auch eine besondere Rolle bei der Vorbeugung gegen Infektionen der Atemwege, und eine gute Versorgung mit Vitamin D könnte davor schützen, nach einer Virusinfektion plötzlich an Asthma mit Atemnot zu leiden.

Außerdem scheint das Sonnenvitamin auch ein potenter Schutzfaktor für bereits an Asthma erkrankte Patienten zu sein: Mehrere Studien zeigen, dass durch Vitamin D-Gabe eine 37-prozentige Risikoreduktion für eine Exazerberation (Verschlechterung), die eine Therapie mit Kortison erfordern würde, erreicht werden konnte. Eine rezente Untersuchung des anerkannten Cochrane Netzwerks kam zudem zu dem Ergebnis, dass die zusätzliche Gabe von Vitamin D bei Asthma Patienten dazu führt, dass sie seltener Anfälle, ausgelöst durch allergisches Asthma, erleiden, die sie sonst zur Krankenhausaufnahme zwingen würden.

Was man allerdings bisher nicht weiß, ist, ob sich diese positiven Effekte auf Patienten mit einen niedrigen Vitamin D-Status beschränken oder ob alle Patienten gleichermaßen von der Vitamin D-Gabe profitieren.

Wie kann man Vitamin D-Mangel ausgleichen?

Sicher ist hingegen, dass man einen etwaigen Vitamin D-Mangel nur sehr schwer über die Ernährung ausgleichen kann. Denn nur wenige Lebensmittel sind „Vitamin-D-Bomben“, und gerade diese gelten in der Ernährungswissenschaft als nicht besonders gesund. Besonders Vitamin-D-reich sind nämlich vor allem fettreiche Fische wie Makrele, Lachs oder Hering, und auch Leber, Innereien und Eier sind gute Vitamin-D-Lieferanten. Manche Menschen, die einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben, greifen deshalb zu Vitamin-D-Präparaten aus der Apotheke. Auch das ist eine Möglichkeit, die auch zur Ergänzung der Asthma-Therapie eingesetzt werden kann, aber man sollte dabei eines bedenken: Fast 90 Prozent der wichtigsten menschlichen Vitamin-D-Reserven stellt die Sonne zur Verfügung, und schon fünf bis 15 Minuten Sonnenbestrahlung pro Tag reichen, um die körpereigene Vitamin-D-Produktion anzuregen. Mehr sollte es auch nicht unbedingt sein, denn man weiß ja, dass zu viel Sonne aus anderen Gründen ungesund ist. 

Wogegen in Sachen Gesundheit aber vor allem für Asthmatiker nichts spricht, ist eine Überprüfung des individuellen Vitamin-D-Status. Lassen Sie ihn checken und besprechen Sie mit dem Arzt Ihres Vertrauens, ob bzw. was das Sonnenvitamin gegen Ihr Asthma tun kann.


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